Christus-Gemeinde Biedenkopf
Christus-Gemeinde Biedenkopf

Der Seiltänzer

Pastor Arndt Beyer

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

heute möchte ich Ihnen das Bild eines Seiltänzers vor Augen malen. Was macht ihn aus? Nun – Balance, Mut, Gleichgewicht und Zielorientierung sind da zu nennen. Gleicht unser Leben nicht oft diesem Seiltänzer?

 

Doch oft verlieren wir vielleicht das Ziel aus den Augen, verlieren das Gleichgewicht oder stürzen ab. Der Seiltänzer im Zirkus hat ein rettendes Netz unter sich, falls er einen Fehler macht und abstürzt. Genau so hat Gott viele Netze unter uns gespannt, die uns halten sollen, wenn wir ins Straucheln kommen. Und wenn wir uns für Jesus entschieden haben, gehen wir sogar zu zweit auf diesem Seil. Lesen Sie doch mit mir ein Bibelwort aus 2. Petrus 1, Verse 5-8 (Übersetzung Neues Leben Bibel):

 

„Strengt euch deshalb an, diese Zusagen Gottes in eurem Glauben zu leben. Dann zeigt sich euer Glaube durch ein vorbildliches Leben. Ein vorbildliches Leben aber führt zur tieferen Erkenntnis Gottes. Aus der Erkenntnis Gottes folgt Selbstbeherrschung. Aus der Selbstbeherrschung wächst Geduld und aus der Geduld ein Leben im Glauben zur Ehre Gottes. Aus der Ehrfurcht vor Gott entspringt die Liebe zu den Gläubigen, und aus dieser schließlich die Liebe zu allen Menschen. Je mehr ihr in dieser Hinsicht vorankommt, desto mehr werdet ihr mithilfe der Erkenntnis von Jesus Christus, unserem Herrn, ein sinnvolles, auf andere ausstrahlendes Leben führen.“

Manche Seiltänzer haben eine Stange, um besser balancieren zu können. Diese Stange vergleiche ich mit unserem Glauben. Die Stange hat an den Enden Gewichte, genau so, wie unser Glaube Gewicht haben soll. Er braucht Inhalte, um Tiefgang zu haben, um echt zu sein. Was können das für Gewichte sein, die unseren Glauben wertvoll machen? Was braucht unser Glaube? Schauen wir auf wenige Beispiele aus diesem Bibeltext des Petrusbriefes:

 

Vorbild

Hier geht es nicht nur um vorbildliches Handeln und Verhalten mit Ehrlichkeit, Freundlichkeit und vielen anderen Dingen. Denn verhalten kann ich mich auch aus einem Automatismus heraus, ohne, dass etwas dahinter steht. Wenn die Quelle meines Handelns, auf die es ankommt, nicht der Glaube an Christus ist und die Beziehung zu ihm, dann wird es zur Gesetzlichkeit. Dann bleibt nur das „Streng dich an“, was niederdrückt. Langfristig würde das dazu führen, dass wir unser Gleichgewicht verlieren.

 

Frage: Handle ich vorbildlich, um ein Bild von mir aufrecht zu erhalten, aus einem Leistungsgedanken heraus – oder aus meiner Beziehung zu Christus heraus?

 

Erkenntnis

Wir brauchen immer wieder Erkenntnis aus unserem Glauben heraus. Hier geht es nicht nur um Wissen, sondern um praktisches Wachsen in meinem Leben. Echte Erkenntnis speist sich nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der gelebten Gegenwart. Gott redet zu uns, wenn wir mit ihm reden, in seinem Wort lesen oder auch mit anderen Christen sprechen, durch die Gott dann wiederum zu uns sprechen kann. Auch das Streben nach Erkenntnis soll nicht aus Leistungsdenken heraus kommen, sondern aus dem Wunsch, Gott ähnlicher zu werden und ein ansteckendes Christsein zu haben.

 

Frage: Kann mich Gott noch überraschen? Oder wissen wir ja schon alles – oder meinen das zumindest?

 

Geduld und Ausdauer

Schon das Volk Israel hatte damit Schwierigkeiten. Auch in vielen Biografien der Bibel führt Ungeduld zu negativen Ergebnissen. Doch im Ausharren steckt Kraft. Es ist mehr als bloßes Warten. In unserer Gemeinde begleiteten wir einen Menschen mit einem Gehirntumor, beteten für Heilung – aber diese entwickelte sich nicht so, wie wir das eigentlich von Gott wollten. Einige wurden ungeduldig, und man merkte an den Gebeten, wie sich diese Ungeduld äußerte: Gott, wann handelst du endlich? Aber sein Plan war ein anderer. Bei den Besuchen im Hospiz merkte ich, wie dieser Mensch am Ende seines Lebens so sehr in Jesus verwurzelt war, wie ich das selten bei jemandem erlebt habe. Er hatte Geduld und harrte aus bis zum Schluss.

 

Frage: Sehen Sie Ihr Leben so, wie es ist – nämlich als Ausdauerlauf, als Langstreckenlauf und nicht als Sprint?

 

Liebe zu den anderen Christen - und zu allen Menschen

Christus selbst ist der Stifter der Liebe unter den Christen. Kann es sein, dass wir unseren Nächsten nicht lieben können, wenn wir uns untereinander nicht mit Liebe, Respekt und Wertschätzung begegnen? Es ist oft nicht leicht, den anderen anzunehmen wie er ist. Aber der Glaube ist ein Schatz, der uns dazu befähigt. Das soll eine Gemeinde ausmachen, das soll den Unterschied ausmachen zwischen einem normalen Verein und einer Gemeinde, in der die Liebe Gottes regiert. Und diese Liebe kann auch Konflikte aushalten und austragen, Grenzen setzen und Probleme lösen.

 

Diese Welt braucht Christen, welche diese Attribute des Glaubens leben. Auch, wenn wir mal abstürzen, müssen wir nicht im Netz hängen bleiben, sondern dürfen am Glauben festhalten, aufstehen und das Seil wieder betreten.

 

Gott ist mit Ihnen, damit Sie in Ihrem Leben zum Ziel kommen und die Früchte des Glaubens schon hier in Ihrem Leben ernten. Dazu wünsche ich Ihnen von Herzen Gottes Segen und Führung.

 

Herzlichst, Ihr

 

Arndt Beyer

 

(Unser Gastautor Arndt Beyer ist Pastor der Freien Christengemeinde Steffenberg)

 

 

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